„Tag der offenen Tür“ im Döhrener Turm
Er ist fast 650 Jahre alt und ein Döhrener Wahrzeichen – dabei gehört er gar nicht zu Döhren, sondern zum benachbarten Stadtbezirk Südstadt-Bult: der auf einer großen Verkehrsinsel der Hildesheimer Straße stehende Döhrener Turm. Am Samstag, 27. Juni, lädt er – nach mehrjähriger Pause – zum interessierten „Türmen gehen“ ein. Denn vor genau 50 Jahren, im Juni 1976, war das damals baulich heruntergekommene Bauwerk nach einer von Christel Wiedemann initiierten und finanzierten Sanierung erstmals wieder für die Bevölkerung öffentlich zugänglich gewesen. Durch die Coronazeit, einen Wasserschaden und eine aus Sicherheitsgründen durch die Stadt verordnete Verhüllung der Turmhaube war der Döhrener Turm jedoch in den vergangenen Jahren in einen Dornröschenschlaf verfallen. Seit ca. 2 Jahren – exakt seit dem 30. Juli 2024 – konnte der Turm gar nicht mehr besichtigt werden. Nun liegt rechtzeitig zum 50 Jahre-Jubiläum die Freigabe zum Betreten dazu wieder vor.
Aus Anlass dieses Jubiläums lädt der Verein der Freunde des Döhrener Turms am 27. Juni zum „Tag der offenen Tür“ ein. Ab 14 Uhr starten etwa halbstündige Führungen zur Turm-Erklimmung, mit dabei maximal erlaubten zwölf Personen. Ab 13 Uhr können dafür beim Eingang bereits Reservierungskarten abgeholt werden, die den Eintritt zu einer bestimmten Zeit sicherstellen.
Der Vorgänger des heute drei geschossigen Döhrener Turms war 1382 als Wehrturm und Bollwerk der ehemaligen hannoverschen Landwehr zur Verteidigung Hannovers sowie zum Schutz und als Kontrollpunkt der hier entlang laufenden Handelsstraße nach Hildesheim errichtet worden. Nach einer kriegerischen Auseinandersetzung mitsamt Brand musste er 1488 auf dem alten Grundriss neu erbaut werden, mit seitdem drei Geschossen, einem Innendurchmesser von rund vier Meter und Schießscharten in den rund 1,3 Meter dicken Außenwänden. Bereits ab dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Turmumfeld als Schänke und später als beliebte Waldwirtschaft – ab 1872 verkehrte die Pferdebahn zwischen hier und dem Steintor – von den Hannoveranern geschätzt. Ab 1888 wurde auf die drei Geschosse ein achteckiges Fachwerkgeschoss mit Spitzdach aufgesetzt, 1936 wurden anliegende Wohngebäude und Stallungen abgerissen.
Nach dem 1971 erfolgten Abriss des bis dahin in der Nähe stehenden „Tränenburg“-Schlosses der Familie Willmer und aus ihrem Interesse am Erhalt örtlicher Geschichte heraus vereinbarte Christel Wiedemann, als Mäzenin, 1973 in einer Nutzungsvereinbarung mit der Stadt Hannover, dafür den bis auf die weitgehend intakte Eichenbalkendecke des dritten Geschosses maroden Innenbereich aus eigenen Geldmitteln zu sanieren. Fachlich zur Seite stand ihr dabei der Architekt Jobst von Nordheim. Später spendete sie zudem die Innenausstattung und übernahm die laufenden Kosten incl. der Instandhaltung. Hatte der Bau des damals mit Wärtern besetzten Döhrener Turms im 14. Jahrhundert laut Chroniken 26 Mark, 5 Schillinge und an die 17.000 Mauer- und Dachsteine gekostet, waren es nun bei der 1975 erfolgten Sanierung rund 100.000 DM – dies entspricht etwa. 51.000 Euro.
Nach nur rund halbjähriger Bauzeit wurde der Döhrener Turm dann am Freitag, 19. Juni 1976, der Öffentlichkeit präsentiert und war seitdem für Führungen und kulturelle Veranstaltungen geöffnet. Zum 600-Jahr-Fest des Döhrener Turms 1982, bei dem auch die Eröffnung der vorbeiführenden Stadtbahnlinie gefeiert wurde, kamen damals rund 100.000 Besucher.
Um den Erhalt des Turms auf eine breitere Basis zu stellen, gründete sich Ende August 2009 der „Verein der Freunde des Döhrener Turms e.V.“. Die fast ein Jahr zuvor, am 28. Oktober 2008, verstorbene Christel Wiedemann ist für ihr Turm-Engagement nicht nur posthum mit der Ehrennadel und -urkunde des Stadtbezirksrates ausgezeichnet worden, sondern auch als erste mit dem am Döhrener Turm alljährlich verlegten Cord-Bogentrick-Stein des Heimatbundes Niedersachsen und der Landeshauptstadt Hannove.


