Kein Hortplatz mehr im Kinderhaus St. Petri
Wenn im August das neue Grundschuljahr beginnt, werden nach Schulschluss erstmals seit Jahren keine Kinder mehr von der Kita-Leiterin Anja Heine an der Tür zum Kinderhaus St. Petri begrüßt werden. Denn die beliebte kirchliche Einrichtung in der Querstraße ist mit den Sommerferien ab dem 10. Juli geschlossen und bietet ab dem 1. August dann keinen eigenen Hort für Grundschüler mehr an. Weil die Stadt Hannover deren Finanzierung eingestellt hat. 38 Jahre lang waren hier zwischen 13 und 17 Uhr Grundschulkinder „behortet“ worden. Zukünftig sind hier nur noch 15 Krippen- und 50 Kindergartenkinder in drei Gruppen zu finden, mitsamt ihrer Erzieherinnen.
Ende März 2026 hatte die Stadtverwaltung der Döhrener Einrichtung mitgeteilt, dass für den Weiterbetrieb einer Hortgruppe im Regelfall 20 Kinder angemeldet sein müssen. 19 werden bei einer Mindestauslastung von 95 Prozent noch toleriert – angemeldet waren bis dahin hier aber nur 18 Kinder.
Kitaleitung und Eltern zeigten sich entsetzt und über das erforderliche Limit nicht informiert. „Hätte ich davon gewusst, hätte ich keine Verträge mit den Eltern geschlossen“, so Kita-Leiterin Anja Heine dazu. Aktuell wurde der Hort mit 14 betreuten Kinder finanziert, in den vergangenen Jahren waren es 12 bis 16 Kinder.
Da die Einstellung der städtischen Förderung erst so spät im Frühjahr 2026 kommuniziert wurde, hatten zahlreiche Eltern Schwierigkeiten beim Abstimmen ihres zukünftig geplanten Arbeitsalltages mit möglichen Hortplätzen. Denn die meisten Hortplätze in gewünschten Einrichtungen waren da schon meist seit Jahresanfang anderweitig vergeben. Oder aber, die Eltern möchten ihr Kind aus persönlichen Gründen nicht in den Hort bestimmter Grundschulen bringen, obwohl ab August 2026 in Niedersachsen für zunächst Erstklässler ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung besteht. Dazu gehört eine achtstündige Betreuung in der Schule, mitsamt täglichem Mittagessen. Aber der Rechtsanspruch besteht nur auf einen Platz an der zuständigen Grundschule, nicht auf Betreuung in einer selbst ausgewählten Schule.
Da das parallele Finanzieren von nicht ausgelasteten Horten und Ganztagsschulen seitens der Stadt als unrentabel angesehen wird und gemäß einem Ratsbeschluss von 2009 die Stadt ihre Grundschulen schrittweise in Ganztagsschulen umwandelt, werden klassische Horte zunehmend geschlossen. Die Verantwortung für die späte Information sieht die Stadtverwaltung hinsichtlich des Hortes von St. Petri beim Träger, dem Stadtkirchenverband. Dieser habe den Stand der Anmeldungen erst kurzfristig kommuniziert.
„Zwei für den Hort im Einsatz gewesene Vollzeit-Mitarbeiterinnen müssen nun unser Kinderhaus verlassen. Zum Glück werden sie ebenso in andere Einrichtungen versetzt, wie die Eltern alle ihre Hortkinder inzwischen in Döhren unterbringen konnten“, zeigt sich Anja Heine zu den Sommerferien erleichtert über das Lösen der so plötzlich und unerwartet aufgetauchten Probleme mit der Zukunft des Döhrener Kinderhaus St. Petri-Hortes.


